Sprechende Steine

Millionen Jahre liegen sie im Berg verborgen, bevor sie in großen Blöcken aus dem Fels geschnitten und zu edlen Arbeitsplatten verarbeitet werden. Ihre Geschichte lebt in den Natursteinen weiter.

Hintereinander aufgereiht stehen „Silver Paradiso“, „Tropical Storm“, „Breccia Imperiale“, „Louise Blue“ oder „Macau­bas Giotto“ in der Lagerhalle der Firma Schwanekamp im nordrhein-westfälischen Gescher. Die elf Millimeter star­ken Natursteinplatten haben weite Reisen hinter sich. Sie stammen aus Steinbrüchen in Brasilien oder Südafrika, aber auch aus Österreich, Italien und nicht zuletzt aus Deutschland. Unser Planet ist von einer 10 bis 35 Kilo­meter dicken Kruste aus Gestein umgeben. Darauf ruhen die Ozeane und die Kontinente. Vor 500 bis 800 Millionen Jahren sind diese Gesteinsmassen durch Abkühlung der Erdkruste entstanden. Durch verschiedene Einflüsse wie Druck und Hitze bildeten sich die Mineralien als Basis der verschiedenen Gesteine. Quarzite und Granite weisen eine sehr hohe Farb- und Strukturvielfalt auf und sind säurefest, kratz- und fleckunempfindlich. Diese robus­ten Eigenschaften machen sie in der Küche zu einem begehrten Arbeitsplattenmaterial. Gerade sind etwas lebendigere Varianten wieder sehr im Trend. Allen ge­meinsam ist: Sie sind Natur pur, authentische Zeugen der Erdgeschichte und absolut einzigartig.

Steine die Emotionen auslösen

In den Steinbrüchen werden sie nach Jahrmillionen ans Tageslicht geholt, mithilfe von diamantbesetzten Seilen oder Hunderten von Bohrungen als große Blöcke aus dem Fels geschnitten. Im Lager sieht man noch die Schneidespuren und Bohrlöcher. Zwei mal drei mal zwei Meter misst so ein tonnenschwerer Block, der dann seine Reise zu Spezialverarbeitern in Italien antritt. Dort werden die Blöcke in Tafeln geschnitten, bevor sie auf den Weg nach Gescher gebracht werden.

Jede Naturstein-Arbeitsplatte ist ein Unikat

Natursteinarbeitsplatten sind derzeit im Kommen. Mit ihrer Einzigartigkeit, ihrer Geschichte und ihrer ganz besonderen Haptik vermitteln sie in Zeiten, in denen Individualität und Authentizität besonders gefragt sind, ein unnachahmliches Produkterlebnis. Oder wie Jan Schwanekamp sagt: „Der Stein spricht mit einem. Er er­zählt eine Geschichte, die vor 350 Millionen Jahren be­ginnt: Da war mal ein fertiger Stein. Die Erde bewegt sich, er bricht auseinander und die Lava, die einläuft, fügt ihn wieder zusammen. Und jetzt kommt einer und schneidet den Brocken da raus aus dem Berg. Und so verbindet man Emotionen mit ganz vielen dieser Materialien.“

„Die Menschen spüren das“, ergänzt seine Schwester Stefanie. „Die Kunden kommen ins Küchenstudio, und wenn da eine Naturstein-Arbeitsplatte liegt, fassen sie sofort dran. Sie fühlen die Hochwertigkeit des Materials, die einzigartige Haptik, die nur die Natur zu bieten hat.“ Jede Naturstein-Arbeitsplatte ist ein Unikat. Und weist dabei ästhetisch eine schier unendliche Vielfalt auf.

Aus schwer wird leicht

In Gescher, nahe der niederländischen Grenze, sitzt die Firma Schwanekamp, Lieferant von Häcker, wenn es um Arbeitsplatten aus Natursteinen, aus Granit und Quar­zit, aus Serpentinit und Phyllit geht. Darüber hinaus ver­arbeitet Schwanekamp für Häcker ein breites Sortiment aus Keramik und Quarzkomposit. Vater Walter, Mutter Elisabeth, Tochter Stefanie, ihr Bruder Jan Schwane­kamp und ihre Mitarbeitenden haben sechs Jahrzehnte Erfahrung, wenn es um die Auswahl von und die Arbeit mit Naturstein geht. Immer wieder fahren sie selbst in Steinbrüche oder wählen beim Verarbeiter in der Nähe von Verona genau die Blöcke aus, die in ihr umfangreiches Sortiment passen – oder auch einmal einen ganz be­sonderen Felsblock für einen ganz besonderen Auftrag.

Fast zwei Dutzend verschiedene Natursteine für Arbeitsplatten hat Häcker von Schwanekamp im Pro­gramm. In den Küchenstudios liegen die entsprechenden Muster zur Auswahl, aber wer wirklich wissen will, wie „seine“ Arbeitsplatte genau aussehen wird, lässt sich ein „Tafelbild“ schicken, das die ganze Platte zeigt. Und es gibt auch Kunden, die selbst nach Gescher kommen, um sich ihre Platte in natura anzusehen. Ein kleines Muster ist eben immer nur ein Muster.

Während es früher üblich war, dass die Küchenstudios Natursteinarbeitsplatten beim ortsansässigen Steinmetz anfertigen ließen, hat Schwanekamp ein ganz besonderes System entwickelt, das es allen Beteiligten beim Küchen­kauf besonders leicht macht.

„Man muss ein Auge und ein Händchen für den Stein und seine Bearbeitung haben.“

Jan Schwanekamp, Naturstein-Spezialist

Schwanekamp lässt sich seine Natursteinplatten in einer Stärke von nur elf Millimetern in Verona schneiden. So können aus einem Block statt der üblichen 28 Tafeln jetzt rund 75 Tafeln gewonnen werden. Diese Elf-Milli­meter-Tafeln werden in Gescher mit computergesteuerten Wasserstrahlanlagen für die jeweilige Küchenplanung zu­geschnitten, die Kanten werden von Hand entgratet, im Fachjargon „gefast“. Stolz sagt Jan Schwanekamp: „Das kann keine Maschine so sensibel wie unsere Mitarbeiter. Auch wenn wir hier relativ industriell arbeiten, bleibt bei unserem Team doch immer noch diese Liebe zum Detail, der Respekt vor dem Stein und dem Handwerk. Man muss schon ein Auge und ein Händchen für den Stein und seine Bearbeitung haben und ein Gefühl dafür, dass das, was man gerade macht, auch funktioniert.“

Die Tafeln bekommen eine schraubfähige Unter­konstruktion aus galvanisiertem Stahlrohr und feuchte­resistenten hölzernen Querrippen und sind anschließend stabiler als massive Natursteinplatten. Bei den Arbeits­platten sind sämtliche Ausschnitte so vorbereitet wie von der Spülen- und Geräteindustrie vorgesehen. Spülen können bei Schwanekamp auch von Hand aus exakt dem gleichen Material gefertigt werden wie die Platte.

Die Vorteile sind enorm: Es wird deutlich weniger Naturstein gebraucht und es passen sehr viel mehr Plat­ten auf einen Lkw aus Italien. Die fertigen Arbeitsplatten sind um ein Vielfaches leichter, entsprechend einfacher zum Kunden zu transportieren und – das ist das Wichtigs­te –, sie können direkt beim Kunden während des Aufbaus der Küchenmöbel durch die Monteure angepasst und ein­gebaut werden. „Bis elf Millimeter Stärke kann der Mon­teur die Platte noch vor Ort mit dem richtigen Werkzeug selbst bearbeiten“, erklärt Stefanie Schwanekamp. So ist sichergestellt, dass die Monteure nicht zwei- oder dreimal anrücken müssen und die Küche auf Anhieb steht. Das spart enorm Zeit und sorgt für hohe Kundenzufriedenheit.

 

 

 

Wie auch die Küchen bei Häcker selbst werden die Arbeitsplatten ganz individuell in Losgröße 1 angefertigt. Die erfahrenen Spezialisten in der Produktion passen – gerade bei stark strukturierten Natursteinversionen be­sonders wichtig – alle Einzelteile von Hand so an, dass perfekte Musterverläufe entstehen. Jede einzelne Platte, und sei sie noch so kompliziert mit beweglichen Tei­len oder riesigen Ausschnitten für übergroße Kochfelder, wird im Werk passgenau zusammengefügt, anschließend wieder auseinandergenommen und zusammen mit der Küche geliefert und aufgebaut. So kann der Monteur beim Kunden vor Ort sicher sein, dass alles perfekt auf­einander abgestimmt ist und er die Platte mit wenigen Verbindungsschrauben exakt zusammensetzen kann.

Endkund:innen (und Küchenberater:innen) profitieren davon, dass die Schwanekamp-Arbeitsplatten voll ins Bestellsystem von Häcker integriert sind und sie sicher sein können, genau die Arbeitsplatte zu bekommen, von der sie immer geträumt haben. Egal, ob sie aus matt­schwarzem „Nero Assoluto“, aus „Quarzite Mont Blanc“, aus handschmeichelndem „Matrix geschliffen“-Quarzit, aus von golden schimmernden Adern durchzogenem schwarz-grünem „Black Musk“ oder aus „Tropical Storm“ sind. Eines sind sie jedenfalls alle: wunderbare Unikate aus der Natur.

Text: Peter Würth

 

Photos: © Markus Altmann/Getty Images und Schwanekamp

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