Weiß ist keine Farbe

Unsere Emotionen und unsere Psyche werden stark durch Farben beeinflusst – zum Beispiel helfen sie beim Entspannen. Da passt es gut, dass immer mehr Grün, Blau oder Rot in die Küchen einzieht – schließlich wollen wir uns dort wohlfühlen.

Die Niederländer waren die Ersten. Sie setzten den Trend zu schwarzen Küchen, der in vielen Ländern bis heute anhält. Sie waren aber auch diejenigen, die dem Hype als erste abschworen und auf Farbe setzten. Behut­same, zurückhaltende, elegante Farben. Nichts knallig Buntes, wie man es mitunter in lichtdurchfluteten Küchen des Südens fin­det. Farben wie Terracotta, Eukalyptus oder Umbra. Wer die Hausausstellung bei Häcker in Rödinghausen besucht, kann sie alle ent­decken, dazu Küchen in Kaschmir, Greige, Azur. Zur letzten Hausmesse hat Häcker die Farben Amarant, Greige und Olivgrün für das Modell SCALA der Produktlinie concept130 vorgestellt.

Ohne Farbe fehlt der Seele etwas

Jahrzehntelang gab es für Küchen welt­weit nur eine Farbe. Eine Farbe, die gar keine ist: Weiß. Weiß versprach Sauberkeit, ja Reinheit. Weiß war ordentlich, eindeutig, kompromisslos, praktisch und zeitlos. Selbst der kleinste Schmutzfleck hatte keine Chan­ce, sich zu verstecken. Man wusste sofort, wo man war: in der Küche, dem vom realen Leben abgetrennten Arbeitsraum. Und ganz ehrlich – noch heute sind unter den Top Ten bei concept130 sechs weiße Programme zu finden. Andererseits bietet diese Produktlinie schon im Preiseinstiegsbereich etwa beim Modell SCALA eine Reihe von mutigen Farb­varianten. Und das Modell PORTO ist in Eu­kalyptus der Favorit bei den Kunden.

Farben spiegeln Emotionen und sind wichtig für unsere Psyche. Wer sich ständig nur in weißen Räumen aufhält, kann krank werden, weil zuerst dem Auge und dann der Seele etwas fehlt. Wir brauchen Farbe im Leben und entspannen uns, wenn wir bis zum Horizont übers türkise Meer schauen.

Dabei heißt farbig nicht bunt. „Im Moment geht der Trend zu edlem, dunklem Braun mit Metall wie Gold und zu erdigen, natürlichen Farben, die nicht so knallig sind“, weiß Yvonne Vogler, Schulungsleiterin des Häcker Campus und Farbspezialistin. „Farben, die für den Wunsch stehen, im Einklang mit der Natur zu leben und der virtuellen Realität zu ent­fliehen. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass seit etwa zwei Jahren Grün wieder im Trend ist. Grün hat so viele Schattierungen wie unseren Pastell- oder Eukalyptus-Ton.“

Immerhin muss man – anders als in der Mode – bei Küchen und überhaupt beim In­terieur – keine Angst haben, dass sich die an­gesagten Farben abrupt ändern und nächstes Jahr vielleicht auf einmal knalliges Rot an­gesagt ist. „Das geht in kleineren Schritten“, hat Yvonne Vogler gelernt.

Alle Farbwünsche können erfüllt werden

Mut zur Farbe kann man lernen. Man muss sich umsehen – im Küchenstudio zum Beispiel, wo immer öfter farbige Küchen aufgebaut sind und Muster in vielen Farben und Schattierun­gen im Regal stehen. „Im Prinzip kann man Küchen in jeder Farbe bekommen. Wir kön­nen sieben Programme aus unserer Produkt­linie systemat in jeder gewünschten NCS- oder RAL-Farbe lackieren. Damit können wir alle Farbwünsche erfüllen“, sagt Vogler. „Wir kommen dem Trend zur Individualisierung der Küchen damit voll entgegen.“

Warum sich Männer plötzlich für Farben interessieren

1979 wurde NCS, ein wissenschaftlich fundiertes Farbnotationssystem, als schwe­discher nationaler Farbstandard eingeführt. Heute kümmert sich Karl Johan Bertilsson, Kreativdirektor bei NCS, um die Weiter­entwicklung und neue Trends. „NCS ist in der Lage, ein paar Aspekte beim Thema Farbe an­ders zu erklären“, so Yvonne Vogler. „Mit NCS ist es gelungen, auch Männer, die sich sonst nicht so fürs Thema Farbe in der Küche inte­ressieren, zu begeistern. Das funktioniert so gut, weil NCS eher mathematisch an die Farb­thematik herangeht und diese mathematische Logik versteht jeder schnell und einfach.“

Genaue Farbbestimmung mit NCS

Nicht jeder Mensch nimmt Farben gleich wahr und unter einem Begriff wie „Apfelgrün“ stellt sich ohnehin jeder etwas anderes vor. Hier setzt NCS mit seinen über 2.000 mathe­matisch genau definierten Standardfarben an. Mithilfe einer Formel kann die Farbe exakt bestimmt und können auch Nuancen berücksichtigt werden. So können Lichtver­hältnisse und Umfeldfarben sehr genau in die finale Farbbestimmung einbezogen wer­den. Hat sich ein Endkunde für eine Farbe entschieden, wird der Lack genau nach die­sen Angaben bestellt. Die kostenlose App NCS+ hilft den Berater:innen zum Beispiel, Komplementärfarben anzubieten, und stellt sicher, dass die Farben immer exakt zu­einander passen.

Nuancen sorgen für ein stimmiges Bild

Yvonne Vogler hat dazu noch einen Tipp: „Ein mit der App verknüpfter Colourpin kann absolut exakt erkennen, welcher NCS-Farbe ein Muster entspricht, das die Kunden mit­bringen, ob vom Vorhang, den Fliesen, einem Möbel oder dem Fußboden.“

Es geht bei der Küchenfarbe oft um Nuan­cen. Und genau die sorgen für ein stimmiges Bild. Eine Küche, die statt mit einer weißen Front in NCS S 2005-Y20R lackiert wird, hat – genau das besagt die Formel – 20 Prozent Schwarz- und 5 Prozent Buntanteil, der aus Gelb mit 20 Prozent Rot besteht. „Und dann stellt man fest, dass dieses NCS-Weiß sich mit einer zweiten Frontfarbe, Holz oder Deko-Elementen viel besser kombinieren lässt als mit einem Standardweiß“, so Yvonne Vog­ler. „Die Küche sieht wertiger aus, hat einen Wow-Effekt und auch nur einen geringen Mehrpreis für die individuelle Farblackierung.“

Mit Farbe an der Wand Mut sammeln

Viele Menschen haben Angst davor, sich bei so einem Investitionsgut wie einer Küche für eine Trend- oder Modefarbe zu entscheiden“, weiß Yvonne Vogler. „Sie fürchten, die Mode wechselt und sie haben dann diese Küche 20 Jahre lang stehen. Da ist es schwierig, sie davon zu überzeugen, dass Farbe gut für sie wäre. Dann bleibt immer noch der Aus­weg zu sagen: Okay, wir nehmen die Küche in Crema-magnolie, aber wir gestalten die Wand oder den angrenzenden Raum oder die gegenüberliegende Wand entsprechend mutig. Man kann mit Farbe auch an den Wän­den spielen, nicht nur an den Küchenfronten. Und man kann Highlights setzen. Zum Bei­spiel die Hochschränke in einer anderen Farbe lackieren oder nur die Unterschränke. Das macht Sinn, weil man es dann mit an­deren Elementen im Ess- oder Wohnzimmer verbinden kann.“

Nur gutes Licht schafft schöne Farben

Eine wichtige Rolle beim Einsatz von Farbe spielt das Licht: „Wir können mit NCS wunder­bar bis aufs letzte halbe Prozent die exakt gewünschte Farbe produzieren, aber schade, wenn jemand dann einfache Leuchten mit matschigem Licht installiert“, sagt Yvonne Vogler. „Das fängt oft schon in den Aus­stellungen an. Die meisten haben kein Tages­licht und sind suboptimal beleuchtet. Ich will doch als Kunde die Küche im richtigen Licht sehen. Aber wenn es zu dunkel ist und es nur Kunstlicht gibt, kann ich die Unterschiede, ob es zum Beispiel Kaschmir oder Satin, Anthrazit oder ein dunkles Blau ist, gar nicht erkennen. Und bei Schwarz wird es richtig schwierig. Wenn farbige Küchen wirken sol­len, brauchen sie gutes Licht. Farbe ohne Licht funktioniert nicht. Deshalb findet für mich die beste Küchenberatung auch zu Hause beim Kunden statt, wenn ich den Raum und die Lichtverhältnisse sehe und ich ihm die Muster in seinem eigenen Licht zeigen kann.“

 

Photos: © Häcker Küchen © NCS Colour

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